Eine Prise #Denglisch? Ein kleiner Einblick in unsere (interkulturelle) Welt!

Aktualisiert: Apr 17

"Und, sprechen die Kinder auch Deutsch?", eine Frage, die uns regelmäßig zu Ohren kommt.


Jein, ist die Antwort.


Das mit der bilingualen Erziehung ist nämlich gar nicht immer so einfach, wie man sich das vorstellt. Ich hatte einen Plan: Nur Deutsch sprechen mit der Kleinen, während der Papa nur Englisch spricht. Hat auch gut geklappt in den ersten zwei Lebensjahren, und Deutsch hatte schon allein deshalb die Überhand, weil Daniel den ganzen Tag über aus dem Haus war. Aber dann kam der Kindergarten (oder Nursery), und der Plan war schnell dahin.


Nur Deutsch als Kleinkind


Es war nämlich so, dass unsere Maus nichts verstanden hat. Sie hat geweint, stand verunsichert am Rande, während die englischsprachigen Kinder fröhlich spielten. Das fand ich schwer. Das wollte ich nicht. Also fing ich nach und nach damit an, englische Wörter einzuführen, um ihr die Integration im Kindergarten leichter zu machen.

Wichtige Wörter wie:


Water, milk, potty (Töpfchen) oder picture, weil sie so gerne malt.


Nach einigen holprigen Monaten fühlte sie sich dann allmählich wohler und konnte ihre Schüchternheit immer mehr überwinden. Sie kam stolz nach Hause mit Sätzen wie "Look, my picture!", "In a minute" oder "Daddy working".


Englisch lernen war ein Muss


Zu wissen, dass sie Anschluss gefunden hatte und sich wohlfühlte, gab mir ein gutes Gefühl. Schließlich wollte ich ihr keine Schwierigkeiten bereiten, indem ihre Mami nur Deutsch sprach. Ihre Zweisprachigkeit sollte niemals zum Laster werden.



Mit den Freundschaften und englischen Verwandten, aber spätestens mit der Einschulung kurz nach dem 4. Geburtstag nahm Englisch dann Platz 1 ein. Während Daniel und ich untereinander beide Sprachen sprechen, ist die Hauptsprache unserer Mädchen Englisch. Beide verstehen (fast) alles, was wir auf Deutsch sagen. Unsere ältere Tochter kann mit einfachen Sätzen auf Deutsch antworten, unsere Jüngere etwas weniger. Das liegt auch daran, dass wir ab ihrer Geburt eine andere Arbeitsaufteilung und einen anderen Tagesablauf hatten.


Wort und Schrift kommen dazu


Heute ist unsere Älteste fast 8 Jahre alt. Sie liest und schreibt auf Englisch, was nach Rücksprache mit den Lehrern Vorrang hatte. Inzwischen hat sie Spaß daran, deutsche Wörter zu lernen - schreibt sich neue Vokabeln in ein kleines Schulheft und liest einfache Kinderbücher auf Deutsch.


Ihr beide Sprachen in Wort und Schrift gleichzeitig beizubringen, hätte nur zu Verwirrungen geführt. Es beginnt ja schon beim Alphabet - für ein Kind einfach verwirrend, wenn derselbe Buchstabe einmal "dschiiiii" und einmal "geeeeh" (G) ausgesprochen wird.





Für uns war es immer wichtiger, dass beide sich verständigen und bei Gesprächen mithalten können. Wenn wir auf Deutschlandbesuch sind, ist es uns ein Anliegen, dass beide auf Deutsch fragen und antworten. Das klappt auch gut.


Mittlerweile habe ich akzeptiert, dass Deutsch wahrscheinlich immer die Zweitsprache bleiben wird. Das ist aber auch in Ordnung - ihr Leben ist ja in England. Sie können das deutsche "rrrrr" gut aussprechen, ebenso wie das schwierige "ch" (wie in "Buch"). Mir wurde mal gesagt, dass Kinder die Sprache in ihren ersten fünf Lebensjahren verinnerlicht haben und dann immer wieder schnell auf sie zurückgreifen können. Wenn sie also irgendwann einmal in Deutschland wohnen oder studieren wollen, dürfte das Deutschlernen und Sprechen recht schnell gehen.

Gewisse Rituale, wie das Verabschieden, Zähneputzen oder Zubettgehen, laufen ganz automatisch fast immer auf Deutsch.

Meine Erkenntnisse nach (fast) 8 Jahren


Ich habe gelernt, dass Kinder beim Lernen so wenig Druck spüren dürfen wie möglich. Sich hinzusetzen und darauf zu bestehen, dass jetzt NUR die eine Sprache gesprochen wird, wenn aber das Kind sich nach einem langen Schultag nicht richtig die Sorgen von der Seele reden oder sich richtig zum Ausdruck bringen kann, bringt rein gar nichts.


Monopoly auf Deutsch zu spielen, Peppa Wutz zu gucken oder eine deutsche Gute-Nacht-Geschichte vorzulesen hingegen... das klappt prima, weil es Spaß macht und nicht zu künstlich auferlegt ist.


Mein Rat an alle, die es mit der bilingualen Erziehung versuchen (wollen): Macht euch keinen unnötigen Druck. Es ist schon anspruchsvoll genug, gute Eltern zu sein und einen kleinen Wurm zu erziehen. Wenn es mal nicht so klappt oder Worte vermischt werden, ist das auch OK. Es ist ja kein Einstellungstest! Kinder können schnell zwischen Sprachen differenzieren.


Einer meiner Favoriten war: "Mama, I go zu See." - Ich gehe zum See. Das war unsere Älteste mit 2 Jahren. Heute weiß sie es natürlich besser :)

Ich bin mir sicher, dass es hilft, deutschsprachige Freunde zu haben. Deutsche Familien sind in unserem Umkreis zwar eher spärlich vertreten. In größeren Städten wie Bournemouth, Ringwood oder Southampton gibt es allerdings deutschsprachige Spielgruppen, Gottesdienste und Expat-Stammtische, über die man gute Kontakte knüpfen kann.




Bist Du an einer bilingualen Erziehung interessiert oder machst Du es bereits? Was sind Deine Erfahrungen - fällt es euch als Familieneinheit leicht? Was sind die Herausforderungen?


Ich finde das Thema sehr spannend und freue mich über Deinen Kommentar!


Alles Liebe aus Dorset,

Deine Katie


#auswandern #auswanderungmitkind #bilingualeerziehung #deutscheimausland


Corfe Castle, Dorset (England)

©2020 liebevoll erstellt von Katie Caiger, Die Auswanderin.

Die Auswanderin Expat Coaching mit Herz is a trading name of Caiger Language Services Ltd, a company registered in England and Wales. Company Number: 09322859

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