• Katie Caiger

Was beim Auswandern wirklich belohnt wird

Aktualisiert: 1. Sept. 2021

Immer wieder lese und höre ich den Satz: „Ja, aber mit meiner Ausbildung/ Berufserfahrung/ Studienrichtung finde ich doch eh keinen Job im Ausland!“.


Das scheint für viele der springende Punkt zu sein. Was man im Heimatland gelernt hat, wird im Ausland nicht anerkannt. Die Fachausbildung, für die man so viel büffeln musste, gibt es gar nicht im Land XY. Das Studium, das man in der Heimat so gerne gemacht hat, bietet scheinbar keinerlei Berufsaussichten...


 

Lass mich Dich auf eine Reise mitnehmen, wenn Du 3 Minuten Zeit hast.


Von Haus aus bin ich Fremdsprachenkorrespondentin. Acht Silben. Den Titel allein fehlerfrei auszusprechen ist eine Meisterleistung für sich. Die Ausbildung einem Mexikaner oder Engländer zu erklären, eine ganz andere Sache. Studiert habe ich Spanische Sprache und Kultur sowie Anglophone Studies (also „englischsprachige Studien“). Den Master habe ich in American Studies mit Nebenfach in Anthropologie gemacht. Daneben, weil mir das alles nicht „handfest“ genug war, habe ich noch ein Studium in Europäischer Betriebswirtschaft abgeschlossen. So.


Was mache ich damit jetzt? Das konnten uns selbst die Professoren an der Uni nicht beantworten. Einer hat es mal lapidar so ausgedrückt: Naja, alles und nix“.



Well, well. Es liegt immer an einem selber, wie gut man sich verkauft. Unsere Aufgabe liegt doch darin, die eigenen Stärken und Interessen zu finden. In Mexiko habe ich mit meinen Sprachen und Mathekenntnissen, aber auch meinen vielen Jahren als Nachhilfelehrerin, eine Festanstellung als Grundschullehrerin in einer wundervollen Schule bekommen. Nachdem ich die Schule online gefunden hatte, nahm ich all meinen Mut zusammen, übersetzte meinen Lebenslauf und stelle mich direkt bei der Direktorin vor. Nach einer sehr netten Unterhaltung und Gehaltsverhandlung wurde mir ein Angebot gemacht, ich bekam die notwendigen Papiere, und siehe da, mein Traum von meiner eigenen Klasse war Wirklichkeit.



Als wir von Mexiko nach England umzogen, weil unsere Tochter unterwegs war, wusste ich, dass ich unbedingt von zuhause aus Geld verdienen und zur Deckung unseres Lebensunterhaltes beitragen, aber auch meine eigene Erfüllung finden wollte. Mir war einfach immer klar, kein Expat-Anhängsel werden zu wollen, sondern mit beiden Beinen unabhängig im Leben zu stehen und meinen eigenen Weg zu gehen. Also beschloss ich, mich als freie Übersetzerin zu bewerben. Innerhalb von wenigen Tagen bekam ich meine ersten Probeaufträge, auf die dann bezahlte Aufträge aller Größenordnungen folgten. Nach nur zwei Jahren war mein Auftragspensum so hoch, dass ich es nicht mehr allein bewältigen konnte – so gründeten mein Mann (ebenfalls Übersetzer mit M.B.A. im Bereich Finanzen) und ich eine Limited Company, das britische Äquivalent zur GmbH. Er hing seinen Bürojob an den Nagel und startete voll durch. Von meinen bescheidenen Anfängen als übernächtigte Mama, die vom Küchentisch aus die ersten Jobs an Land zog, haben wir uns zu einem erfolgreichen Unternehmen entwickelt und uns einen guten Lebensstandard ermöglicht.