The sh*t nobody talks about

[Triggerwarnung: Selbstverletzung]


„Du siehst auf allen Bildern immer so glücklich aus,“ kommentiert meine Freundin, als sie zwischen den letzten beiden Lockdowns bei mir zu Besuch ist und sich die Fotogallerie in unserer Küche ansieht.


Ich werde nachdenklich. Wie sagt meine Mama immer? „Man kann Menschen nur vor den Kopf gucken". Hätte jemand vor vielen Jahren mal IN meinen Kopf geguckt, wäre der Eindruck ein anderer gewesen.


Über die Jahre hatte ich gelernt, meine echten Gefühle gut zu verbergen.


Die Botschaft, die ich in meiner Kindheit aufgeschnappt habe: So kann man dich nicht lieb haben.


„Lach nicht so laut.“

„Sei nicht albern.“

„Du bist so eine Schnecke.“

„Was bist denn du eine Heulsuse.“

„So eine Trantüte.“

„Was ein Sensibelchen.“

„Warum kann es nicht einmal einfach mit dir sein?“

„Keine Ahnung, was mit dir los ist.“



Meine Gefühle waren falsch. Also lernte ich, sie gut zu kaschieren. Ich lernte, die passenden Antworten zu geben. Die eigentliche Wahrheit tief in mir zu verstecken. Die machte sich dann in meinem Körper breit wie Lava. Kennst du das Gefühl, wenn dir im Bauch ganz heiß wird? Wenn dir vor Wut die Tränen kommen? Manchmal war die Wut in mir unerträglich.


In der 6. oder 7. Klasse bekam ich im Matheunterricht mit, wie sich Elena die Arme aufritzte. Hinter dem Mathebuch, einfach so. Wahrscheinlich war ihre Wut genau so heiß und groß und unerträglich.


Vielleicht war das ja die Lösung. Ich probierte es aus. Lernte, immer die passende Erklärung parat zu haben, wenn mich jemand auf mein neues Pflaster ansprach. „Das war mein Meerschweinchen“. „Ich bin im Brombeerstrauch hängen geblieben.“ Es funktionierte. Ich hatte auch meine Selbstzerstörung perfektioniert. Sie gab mir die ultimative Kontrolle. Sie war mein Geheimnis. Mein Ventil für all die hässlichen Gefühle in mir.


Ich war 13 oder 14. Wurde jeden Tag aufs Neue gemobbt. Hatte kaum Freunde. War irgendwie unpassend und überflüssig und fehl am Platz.


Die längste Zeit habe ich mich richtig dafür geschämt, dass ich solche dunklen Phasen hatte. Ich mochte mich nicht. Ich mochte meine Gedanken nicht. Meine Gefühle. Meinen Körper erst recht nicht. Ich erinnere mich, dass ich mir heimlich die BRAVO angeguckt und dabei gedacht habe: „Wer von den Stars würde ich sein wollen?“


Es gab Momente, da war ich überzeugt, die Welt wäre ohne mich besser dran.


Meine Teenie-Jahre verbrachte ich nur damit, alles zu sein, nur nicht Ich. Nulldiäten, Selbstverletzung, Lügen, Alkohol, Kiffen. Trennungen. Tränen. Drama pur.


Meine 20er verbrachte ich damit, mich auf die Suche zu mir selbst zu machen. Meinen Perfektionismus abzulegen, echt zu sein, herauszufinden, wo meine Interessen und Grenzen liegen. Meinen Körper anzunehmen. Bei so vielen Fehlgeburten und den körperlichen Spuren, die meine zwei Töchter hinterlassen haben, ganz schwierig.



Meine 30er begannen mit Jahren der Vergebung, Reflexion, Achtsamkeit und Umbewertung. Ich lernte, mich der Welt authentisch zu zeigen, in meiner perfekten Unperfektion. Meine Schmerzen zu teilen und dadurch mich und andere zu heilen. Dankbar zu sein. Wert auf meine mentale und körperliche Gesundheit zu legen. Zugang zu meiner Weiblichkeit zu finden, sie zu zelebrieren, mich so zu lieben, wie ich bin. Zu verstehen, warum ich HIER bin. Ich entdeckte Yoga und Ayurveda. Ich verstand die Bedeutung von Selbstfürsorge und innerer Ausgeglichenheit. No more drama. Nur Frieden.


Lange konnte ich nicht verstehen, warum ich all den Bullshit durchmachen musste. Heute weiß ich: das Leben hat mich stark gemacht. Mich darauf vorbereitet, die beste Version meiner Selbst zu sein, und das ganz authentisch. Ich bin hier, um meine Liebe und mein Licht in die Welt heraus zu tragen. Anderen beizustehen. Meine Töchter so zu erziehen, dass sie immer wissen: wir werden bedingungslos geliebt. Wir sind gut so, wie wir sind. Wir sind wertvoll für diese Welt. Das Leben, der Körper, die Seele und der Geist: Schätze, die wir gut aufpassen müssen.




In meiner letzten Gruppenmeditation wurde mir plötzlich ganz klar, dass ich diesen inneren Frieden teilen musste. Ich beschloss, die Stunde mit dem Herz-Mantra abzuschließen und sang:


Om Gate Gate Pāragate Pārasaṃgate Bodhi Svāhā

Shanti, Shanti, Shanti.


(Eine der vielen Übersetzungen ins Englische lautet: Gone, gone, gone beyond altogether beyond, Awakening, fulfilled, Peace, Peace, Peace).


Wenn ich heute auf Fotos lächle, kommt das Lächeln aus tiefstem Herzen. Ungelogen, roh und echt.


Alles Liebe,

Deine Katie ॐ


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